Schalten und walten: Schaltungsvarianten bei unseren Liegerad-Trikes

Pinion Schaltungsgetriebe - Foto: Pinion GmbH

Die Schaltung ist das Herzstück eines modernen Fahrrads. Hier entscheidet sich die Effizienz der eingesetzten Kraft und der Komfort beim Treten. Erste Patente und Anwendungen verschiedener Schaltungstypen gab es bereits im späten 19. Jahrhundert, doch für die allermeisten Menschen spielten Schaltungen im Alltag, wenn überhaupt, frühesten ab Mitte der 1920er Jahre eine Rolle, als Fichtel und Sachs die erste Torpedo-3-Gang-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse einführte. Parallel zu den Nabenschaltungen wurden die Kettenschaltungen für Rennräder erfunden, die gemäß ihrer vornehmlichen Bestimmung für den Rad-Rennsport, für die allermeisten Alltagsradler/innen bis in die 70er Jahre kaum eine Rolle spielten. Dass Kettenschaltungen in nennenswertem Umfang in Alltagsrädern verbaut werden, die man heutzutage als City- und Trekkingräder bezeichnen würde, kam mit den „Rapid-Fire“ Schalthebeln erst Anfang des neuen Jahrtausends so richtig in Mode, auch wenn mit den, zu „Sporträdern“ mutierten, Rennrädern die Entwicklung bereits in den 80er Jahren in diese Richtung ging. Tretlagerschaltungen wurden erst in den 30er Jahren erfunden und spielten bisher nur eine klar untergeordnete Rolle, auch wenn neuere Entwicklungen das ändern könnten.

Dass Fahrräder in Europa überhaupt mehrheitlich mit einer Gangschaltung ausgestattet werden, ist frühestens seit Ende der 1970er Jahre Standard. Aber spätestens seit Ende der 1990er Jahre haben, zumindest „gefühlt“, auch fast alle einfachen preiswerten Fahrräder eine 3-, 5- oder 7-Gang-Schaltung. Räder ohne Schaltung haben, durch den „Fixie“-Trend seit den 2000er Jahren, eher ein „Hipster“-Image und sind für die Masse der Radler kaum relevant.

Im unteren Preissegment macht es sich heutzutage nicht bemerkbar, ob es sich um eine Ketten- oder Nabenschaltung handelt. Doch je höher die Preise klettern, desto höher sind auch die Preisunterschiede bei den Schaltungen. Im Premiumbereich sind es dann die Naben- bzw. Tretlagerschaltungen, die mit den höchsten Preisen punkten können. Rohloff (Nabe) und Pinion (Tretlager), beide Made in Germany, sind hier mit über 1.000 Euro einsame Spitze. Bei den Kettenschaltungen liegen die Höchstpreise dagegen bei 500 Euro, außer man gönnt sich elektronische Schaltungen wie die Shimano XT Di2 oder SRAM AXS-Antrieb.

Ob Liegerad-Trike oder Zweirad, die Schaltungen, die verbaut werden, sind dieselben bekannten Marken und Modelle. Unterschiede aufgrund des Trike-Designs gibt es allenfalls an der Peripherie der Schaltungen, wie z.B. die Schalthebel, oder die notwendigen Umlenkrollen für die deutlich längeren Ketten. Grundsätzlich unterscheiden sich die eigentlichen Schaltungen bei Trikes aber nicht von denen der Zweiräder. Auch hier die Wahl zwischen Naben-, Tretlager- und Kettenschaltung und den verschiedenen Modellen und Baureihen.

Die verschiedenen Schaltungstypen können auch, bei Bedarf, miteinander kombiniert werden, so dass Liegerad-Trikes mit sehr hohen Gangzahlen entstehen. Bei trike-x-press können wir für Euch auf Wunsch z.B. eine Pinion P1.18 (18 Gänge) mit einer 12-Gang Kettenschaltung kombinieren. Das ergibt eine Gesamtzahl von 216 Gängen!

Allerdings dürfte für die meisten unserer Kunden die „Entfaltung“, gewöhnlich in Prozent angegeben, entscheidender sein als die Anzahl der Gänge. Je geringer die Entfaltung (niedrige Prozentzahl) desto geringer der Unterschied zwischen dem „höchsten“ und „niedrigsten“ Gang. Bei sehr großer Entfaltung (hohe Prozentzahl) würde man im niedrigsten Gang, sogar an einem sehr steilen Berg, schnell wie in einem Hamsterrad treten, bergab dagegen, am selben Berg und im „höchsten“ Gang, jedoch langsam und mit viel Druck in die Pedale steigen können und so entsprechend, bei ausreichender Muskelkraft, furchterregende Geschwindigkeiten erreichen, für die allerdings Pedelec-Reifen gar nicht mehr zugelassen sind. Kurioserweise unterliegen Reifen, die auf Fahrräder ohne Motor aufgezogen werden, keinerlei Geschwindigkeitsbegrenzung…

Mehr als 95% der Kunden dürften allerdings mit Standardschaltungen, mit ca. 7 bis 14 echten Gängen, mehr als zufrieden sein. Dabei heißt Standard nicht „billig“ oder minderwertig. Die „Rohloff Speed Hub“ z.B. ist mit ihren 14 Gängen, und einer Entfaltung von 526%, gerade auch bei Mountainbikern beliebt. Die Schaltung ist sehr robust, langlebig und wartungsarm (Ölwechsel 1x im Jahr). Aktueller nachweisbarer Rekord eines Besitzers der Rohloff Speedhub sind 254.000 km. Doch auch für gesetztere KundInnen, die hohe Qualität „Made in Germany“ schätzen, ist diese Schaltung zu Empfehlen.

„Made in USA“ und mit einem deutlich geringerem Preisschild, kommt die stufenlose Enviolo/Nu Vinci Schaltung zu uns. Hier rasten keine Gänge mehr ein und man kann auch im Stehen schalten, z.B. an einer roten Ampel, um entspannt in einem niedrigen Gang anzufahren. Sie ist äußerst robust und gilt als „wartungsfrei“ (kein Ölwechsel) und fast verschleißfrei. 50.000km ohne jegliche Wartung sind wahrscheinlich, vielleicht mehr. Diese Schaltung kann man, im besten Sinn (!), einfach vergessen… Für Pedelecs ist sie geradezu ideal, denn bei der Enviolo-Schaltung darf der Motor sein volles Drehmoment abgeben (mehr als bei jeder Shimano-Nabenschaltung), so dass die volle Kraft des Motors, z.B. einem „Bosch Performance Line CX“, zur Geltung kommt, so dass am Berg Freude aufkommt. Für diesen Motor wäre eine „Shimano Alfine“ oder „Shimano Nexus“ Schaltung ungeeignet, es sei denn das Drehmoment würde gedrosselt, was bei vielen Fahrrädern mit Shimano-Nabenschaltungen auch geschieht, wobei dann die teuer eingekaufte Kraft gar nicht zur Wirkung kommt. Ungedrosselt würde sie allerdings vom Bosch CX-Motor bald geschreddert werden… Die „Entfaltung“ der Enviolo-Schaltung liegt, je nach Modell, zwischen 330% und 380% und entspricht somit in etwa dem Übersetzungsbereich der Shimano Alfine.

Bei Pedelecs gibt es als Besonderheit die mögliche Kombination einer Enviolo Schaltung mit einem Bosch Motor zu einer Automatik. Das System nennt sich dann NuVinci Harmony H|Sync und wird über das Display des Bosch Bordcomputers gesteuert. Mit dieser Automatik tritt man immer mit derselben (variabel einstellbaren) optimalen und energiesparenden Trittfrequenz. Ein Schalthebel entfällt ganz.

Durch die Entwicklung der Pinion Tretlagerschaltung, die 2010 zuerst auf den Markt kam, hat dieser Schaltungstyp wieder deutlich an Bedeutung – und vor allem Zukunft – gewonnen. Denn mit sagenhaften 636% Entfaltung, bei 18 Gängen in einem Kompakten Gehäuse am Tretlager, hat sie neue Maßstäbe gesetzt, und lässt die Entfaltung jeder Kettenschaltung weit hinter sich. (Hier ein Vergleich der Entfaltungen der verschiedenen Schaltungstypen). Wie die „Rohloff Speed Hub“ wird auch die Pinion Schaltung in Deutschland gefertigt.

Alle Schaltungstypen, die wir verbauen, sind hochwertige Markenmodelle. Ihre Stärken spielen sie je nach gewünschter Anwendung aus. Wenn ca. 500 – 1000 Gramm Mehrgewicht des Fahrrads für Euch zu viel sind, dann sind Kettenschaltungen tendenziell zu bevorzugen. Sind Euch dagegen Langlebigkeit und Wartungsfreiheit wichtig, dann ist eine Nabenschaltung die beste Wahl. Da aber noch andere Kriterien dazukommen ist die Wahl nicht immer ganz leicht. Bei trike-x-press beraten wir Euch beim Kauf, gerne so lange bis Ihr wirklich sicher seid welche Schaltung für Euch die richtige ist.

Einen tabellarischen Vergleich der Nabenschaltungen findet Ihr hier (im unteren Teil der Seite).

Hier (und hier) eine Auflistung der bekanntesten Schaltungen:

Nabenschaltungen

  • Nuvinci/Enviolo – Stufenlose Übersetzung (keine einrastenden Gänge)
  • Rohloff (Speed Hub) – 14 Gänge
  • Shimano Alfine – 11 Gänge
  • Shimano Nexus/Alfine – 8 Gänge
  • Shimano Nexus – 5 bzw. 7 Gänge

Kettenschaltungen

  • SRAM
  • Shimano (z.B. Acera, SLX, DEORE, XT, XTR) – Modelle rangieren von 9 bis 30 Gänge
  • Campagnolo

Tretlagerschaltungen

  • Pinion – je nach Modell 6 bis 18 Gänge
  • Schlumpf – 2 Gänge
  • Kappstein Doppio

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