Pannenservice für Radler

Bild von M. H. auf Pixabay

Die Panne kommt am liebsten am Wochenende – oder am Freitagnachmittag um 17Uhr30, wenn sich garantiert niemand mehr findet, der auch nur bereit wäre ein Auge auf das geliebte Fortbewegungsmittel zu werfen, geschweige denn Hand anzulegen, um Reifen und Schlauch zu wechseln. Ich selbst habe, was das Schrauben an Fahrrädern angeht, drei linke Daumen und bin auch kein Technikfreak der Tagelang über Bauteile fachsimpeln möchte. Manchmal denke ich, in einem Anflug von Hochmut, dass ich die Zeit, die andere mit hingebungsvollem Schrauben und Putzen verbringen, stattdessen im Sattel verbringe. Und aus wieviel Teilen ein Pedelec besteht dämmert mir erst seit ich mein Büro, direkt neben der Fahrradwerkstatt hier bei trike-x-press, bezogen habe. Es scheinen unendlich viele mehr zu sein, als an den Fahrrädern meiner Jugend…

Ich gehöre also nicht zu den Radlern die jeden Platten am Wegesrand in kürzester Zeit selbst flicken. Und nicht nur ein platter Hinterradreifen am Pedelec ist mein Touralptraum. Selbst ein platter Reifen am Vorderrad mit Schnellspannverschluss ist mir ein um jeden Preis zu vermeidendes Gräuel. Ich bin Alltags- und somit Allwetterradler und das Rad ist (fast) mein einziges Transportmittel und deshalb vergeht kaum ein Tag ohne Fahrradkontakt. Auto und Führerschein habe ich nicht (mehr), weshalb ich darauf angewiesen bin, dass mein Trekkingrad immer fahrbereit ist. In der Freizeit bin ich dann am liebsten, weit weg von Verkehr, Lärm und Menschenmassen, in der Natur unterwegs, gerne auch über Stock und Stein.

Trotz vermeintlicher „Unplattbar“keit haben mich in den letzten Jahren immer wieder platte Reifen heimgesucht. (Als erstaunlich robust erwiesen sich dagegen Motor und Akku – auch nach 20.000 Kilometern…) Und, wie schon beschrieben, hatte jedes Mal die nächste Fahrradwerkstatt im Stadtgebiet soeben Feierabend gemacht, oder es war Samstagnachmittag…

ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) Pannenhilfe

Als ADFC-Mitglied habe ich dann vor ein paar Jahren zum ersten Mal dessen Pannenhotline angerufen, die mir sagte, dass ja eine Werkstatt in der Nähe sei (die aber bereits geschlossen war) und dass man mich zurückrufen würde. Ein Rückruf kam nie, doch ich hatte Glück – unglaublicher Zufall! – dass ich zufällig vorm örtlichen ADFC-Büro war wo sich ein paar Mitglieder meiner erbarmten und sogar einen Ersatzschlauch hervorzauberten…

Ein Jahr später war es der Samstagnachmittag auf meiner Lieblings-Spaziertour, als ich an der Walkenmühle in den Bega-Wiesen bei Lemgo liegen blieb. Erneut versuchte ich es mit dem ADFC-Pannenservice und hatte dieses Mal hatte mehr Glück. Nach 1 ½ Stunden bei Salat und Schafskäse tauchte der Pannenservice auf und überraschte mich mit seinem 7,5-Tonner auf dem mein robustes Trekking-Pedelec wie die Mücke auf dem Elefanten aussah. Der nette fahrende Mechaniker erklärte, dass er den Platten auch repariert hätte, wenn ich einen Schlauch dabei gehabt hätte. So fuhr er mich einfach, wie von mir gewünscht, zu unserer Werkstatt in Detmold.

Der ADFC-Pannenservice ist ein Service der allen ADFC-Mitgliedern, und nur diesen, zur Verfügung steht, neben den weiteren Vorteilen, die die Mitgliedschaft bietet, wie z.B. eine Rechtsschutzversicherung bei Fahrradunfällen. Für €11,90/Jahr kann man den Basispannenservice zu einer „ADFC-PannenhilfePLUS“ aufstocken, die in Verbindung mit dem Roland Schutzbrief weitere Leistungen, wie z.B. Kranken/Fahrrad Rücktransport beinhaltet. Die Buchung erfolgt onLine. Soviel zum ADFC Pannenservice.

ACE

Der „Auto Club Europa e. V. ist nach dem ADAC mit mehr als 630.000 Mitgliedern Deutschlands zweitgrößter Automobilclub“ heißt es in der Selbstdarstellung auf der Website des ACE. (Also wie der ADFC nur ein Zwerg im Vergleich zum Vereins-Giganten ADAC mit sage und schreibe 21 Millionen Mitgliedern.) Und wirbt hier mit den Worten „Unbegrenzte Pannenhilfe für Auto, Wohnmobil, Motorrad, Fahrrad und vieles mehr“. Der ACE ist zudem aggressiv bemüht dem ADAC seine Kunden/Mitglieder abzuwerben und tut diese mit Direkt vergleichen auf der Website. Auch ist er dem ADAC mit dem Pannenschutz für Radler voraus, denn letzterer zögert noch Fahrradpannen in sein Portfolio aufzunehmen.

ACV

Der ACV Fahrradschutzbrief ist ohne Zusatzkosten im jährlichen Mitgliedsbeitrag enthalten. Bei Panne oder Unfall mit Ihrem Fahrrad greift die Notrufzentrale greift auf ein bundesweites Partnernetzwerk zurück und vermittelt Ihnen innerhalb kurzer Zeit einen Pannenhelfer in der Nähe.

Der ACV leistet Pannenhilfe vor Ort und übernimmt die Kosten für Rück– oder Weiterfahrt, falls notwendig. Ebenso transportieren wir er das Fahrrad zur nächstgelegenen Werkstatt, wenn der Schaden nicht vor Ort behoben werden kann.

AVD

Der AVD bietet mit seinem „AvD Help Plus Familie“-Tarif für €84,90/Jahr auch einen Fahrradschutzbrief. Das beinhaltet 24-Stunden Service, Pannenhilfe, Abschleppen, Bergung, Weiter- oder Rückfahrt, Ersatzfahrrad, Übernachtungskosten und Fahrrad-Rücktransport.

ADAC

Der ADAC will zwar laut TAZ „keine Autolobby mehr sein“ doch bisher schreckt er noch davor zurück das Fahrrad in sein Geschäftsmodell einzubinden. Dementsprechend gibt es – noch – keinen Pannenservice für Radler. Doch kann man bei zunehmender Ausweitung des Radverkehrs davon ausgehen, dass sich das früher oder später ändert.

Ohne Gewähr

Für die Qualität der aufgelisteten Pannenservice-Anbieter kann ich mich natürlich nicht verbürgen, denn meine persönlichen Erfahrungen beschränken sich auf den Pannenservice des ADFC, und auch diese Einzelerfahrung ist natürlich nicht repräsentativ.

Beachten sollte man den Begriff „bundesweites Partnernetzwerk“. Mit der Größe des jeweiligen Mobilitäts-Vereins nimmt meist auch die Größe der eigenen Fahrzeugflotte ab. Während der ADAC ca. 1700(!) „mobile Arbeitsplätze“ betreibt, dürften sich die meisten anderen Vereine fast nur oder sogar ausschließlich auf eben dieses ´“bundesweite Partnernetzwerk“ stützen.

Ob die Wartezeiten kurz oder lang sind hängt aber wohl nicht von der Größe der (eigenen) Flotte ab, sondern von der allgemeinen Auslastung und vom gesamten Verkehrsaufkommen. Wer schon einmal auf den ADAC gewartet hat weiß, dass auch das schon mal 2-3 Stunden dauern kann. Auf  das Partnerunternehmen des ADFC habe ich „nur“ 1 ½ Stunden gewartet… Das Trike/Zweirad bis zum nächsten Salat mit Schafskäse zu schieben könnte sich also lohnen…

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