Liegerad-Trikes in der Bahn – aber nicht in Tram, U-Bahn und Bus

Foto: Frank Möller

Die Mitnahme von Liegerad-Trikes bei der Deutschen Bahn und anderen Bahnbetreibern ist erstaunlich klar geregelt und unmissverständlich. Unter der Rufnummer 01806 996633 (20 Cent/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 60 Cent/Anruf) sind die Mitarbeiter der Bahn rund um die Uhr für die Fragen der Kunden einsatzbereit und vermitteln die Anfrage ggfs. innerhalb der Hotline an kompetente Mitarbeiter weiter. 

Fernverkehr

Im Fernverkehr müssen Reisende vor Fahrtantritt eine so genannte „Fahrradkarte Plus“ kaufen und Stellplätze reservieren. Im Grunde ist die „Fahrradkarte Plus“ nichts weiter als zwei Fahrradkarten. Allerdings müssen die damit reservierten Fahrradstellplätze im Waggon nebeneinander liegen und entsprechend fortlaufende Nummern aufweisen. Die Fahrradmitnahme ist in Fernzügen ohnehin IMMER Reservierungspflichtig und die Karten können sowohl am DB-Schalter als auch online gebucht werden. Die „Fahrradkarte Plus“ für internationale Zugreisen gibt es NUR am DB-Schalter und in DB-Reisebüros zu kaufen.

In der Urlaubszeit sind die Stellplätze in den Fernzügen meistens sehr gut belegt und es gibt auch in den größeren Fahrradabteilen wenig Platz für zusätzliche Räder. Deshalb macht es Sinn rechtzeitig zu reservieren. Das Chaos beim Einsteigen muss trotzdem gelegentlich so groß gewesen sein, dass sich bei meiner letzten Fahrradmitnahme am Berliner Hauptbahnhof nette Platzanweiser um die Unterbringung der Räder an den Haken kümmerten. Ein völlig neues Serviceerlebnis! Denn in dem herrlichen IC nach Amsterdam steht zwar am Ende des Zuges ein halber Waggon für die Fahrräder bereit, jedoch ist der in der Urlaubssaison gut mit Zweirädern gefüllt.

Dazu kommt, dass die Türen des IC noch vom alten Schlag sind und somit sehr schmal. Ein Triker berichtet, dass er das Trike auf die Seite legen mussten, um es an Bord nehmen zu können. Ein anderer wiederum erzählt von der Mitnahme eines Hase Kettwiesel in einem Nachtzug von Lübeck nach Freiburg. Auf Empfehlung der Bahnauskunft wohl mit einer „Tandemreservierung“ (vermutlich die „Fahrradkarte Plus“). In Freiburg war allerdings der Aufzug zu schmal, sodass er die Treppe nehmen musste…

Gefaltet gelten Fahrräder als Gepäck. In der „Bahn Community“ ist dazu Folgendes zu lesen: „Wenn Sie Ihr Fahrrad einklappen und so verstauen/verpacken, dass es wie Handgepäck verstaut werden kann, ist die Mitnahme des Fahrrads kostenlos.“ Inwieweit ein Trike diesen Anforderungen entsprechen kann lässt sich anhand dieses Satzes auf der Bahn-Website „Gepäck im Zug“ einschätzen: „Folgende Standardabmessungen wurden bei der Dimensionierung der Gepäckregale unterstellt und passen fast immer: 700 x 500 x 300 mm.“

Weitere Informationen zur Fahrradmitnahme im Fernverkehr: www.bahn.de/p/view/service/fahrrad/07rad_fahrradzuege.shtml

Nah- und Regionalverkehr

Im Nah- und Regionalverkehr der Bahn stellt sich die Mitnahme von Liegerad-Trikes unkomplizierter dar als in den Fernzügen. Während letztere meistens Stellplätze ausweisen, bei denen das Vorderrad an Haken eingehängt werden muss, finden sich im Nah- und Regionalverkehr die flexibleren Fahrrad-, Rollstuhl-, Kinderwagen- und Gepäckstellplätze direkt neben den Türen. In den Nah- und Regionalzügen wird immerhin zunehmend mehr Platz für Fahrräder geschaffen.

Eine spontane Trike-Mitnahme ist, wie bei den Zweirädern, und wenn überhaupt, nur im Nah- und Regionalverkehr möglich. Hier sollten allerdings die Stoßzeiten vermieden werden, denn ist der Zug gerammelt voll gibt es keine Mitnahmegarantie. Und natürlich muss immer eine einfache(!) Fahrradkarte für das Trike gelöst werden. Diese gilt, auf Nachfrage bei der Bahn, genauso für Dreiräder wie für Zweiräder. Abweichende Regelungen bei lokalen Bahnanbietern sind mir bisher nicht bekannt.

Fahrradstellflächen in Nah- und Regionalzügen. Hier ist die Mitnahme von Trikes am unkompliziertesten und es genügt der Kauf einer normalen Fahrradkarte. -  Foto: Frank Möller
Fahrradstellflächen in Nah- und Regionalzügen. Hier ist die Mitnahme von Trikes am unkompliziertesten und es genügt der Kauf einer normalen Fahrradkarte. – Foto: Frank Möller

Straßenbahn

In vielen Straßenbahnen ist die Mitnahme von ZWEI-Rädern heutzutage möglich, wie z.B. in Berlin, Stuttgart oder München. Aber auch das hängt gelegentlich noch vom jeweiligen Bahntyp ab. Bei älteren Bahnen in kleineren Städten wird es eng. In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass, ähnlich wie im Stadtbus, die Mitnahme von Liege-Trikes in den allermeisten Straßenbahnen Deutschlands ausgeschlossen ist.

U- und S-Bahn

In den U-Bahnen der Berliner BVG ist die Mitnahme von Bikes mit mehr als 2 Rädern nicht gestattet. Dazu gelten in vielen Städten sogar bei der Zweirad-Mitnahme Sperrzeiten. Auch in S-Bahnen gibt es Sperrzeiten. So schreibt die „Rheinbahn“ auf Ihrer Website: S-Bahnen und Züge ohne Mehrzweckabteil können Fahrräder montags bis freitags von 6.30 Uhr bis 9 Uhr nicht mitnehmen. Zu allen anderen Zeiten können Sie Ihr Fahrrad im Türbereich abstellen.“
Entscheidend ist hier der Hinweis auf das „Mehrzeweckabteil“. Generell dürften Mehrzweckabteile die unkomplizierteste Beförderung von Liegerad-Trikes im ÖPNV darstellen.

Bus

Nach Auskunft der Kreisverkehrsgesellschaft Lippe (KVG) ist im öffentlichen lokalen Busverkehr in Nordrhein-Westfalen die Mitnahme von Liegerad-Trikes grundsätzlich ausgeschlossen. Auch in Fernbussen wird es für Liegerad-Trikes eng. „Dreiräder“ sind z.B. bei Flixbus explizit von der Mitnahme ausgeschlossen. www.flixbus.de/service/fahrrad-mitnahme

Foto: Frank Möller
Foto: Frank Möller

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